VAND – It’s All About The Challenge

Alle Jahre wieder ist das Zürich Film Festival eine wahre Freude für Filmliebhaber aber auch Filmemacher. Neben einer exquisiten Auswahl an cineastischen Leckerbissen bietet das Festival mit spannenden Vorträgen und Events auch für Leute aus der Industrie Vieles. Einer dieser Events ist das ZFF72 ein Wettbewerb der etwas anderen Art. Die Teilnehmer haben 72 Stunden Zeit, zu einem vorgegebenen Thema einen maximal 72 Sekunden langen Kurzfilm zu erschaffen. Nach dem wir die vergangen Jahre immer nur die Resultate anderer Filmemacher bewundert haben, stürzten wir uns 2016 endlich selber auf die Herausforderung.


Kurz nach dem Beschluss der Teilnahme, sassen Manuel und ich am Freitag dem 23. September 2016 in einem schicken Vortragsraum am Sechseläutenplatz am Zürisee und warteten gespannt auf die Preisgabe des diesjährigen Themas. Um genau 12:00 war es soweit, der Startschuss für die 72-stündige Herausforderung fiel. Das Thema: Wasser.

Bereits auf der Rückweg im Zug von Zürich nach Bern wurde gebrainstormt und diskutiert. Eine passende Idee galt es zu finden. Kreativ und lustig musste sie sein, aber auch in dem sehr knappen Geld- und vor allem Zeitbudget solide umsetzbar. Gar nicht so einfach, trotz all der Jahre Erfahrung. Schliesslich kam der Geistesblitz und Manuel zeichnete das Bild eines einsamen Fischers, der Frühmorgens am See steht und über seine Verbindung zu diesem sinniert. Alle Puzzleteile fielen wie von selbst an ihren Platz: Crew, Location und der passende Darsteller waren gefunden. Mit viel Herzblut, Flexibilität und Einsatz von allen Beteiligten gelang es uns schliesslich der Idee in 72 Stunden Leben einzuhauchen. Das Resultat: unsere 72-sekündige schwarze Komödie VAND (Dänisch für Wasser). Unter den über 270 Filmbeiträgen am ZFF72 schaffte es VAND in die «Jury Top 10», worüber wir uns sehr freuten.

Als eines unseren absoluten Lieblingsprojekte hat uns VAND einerseits in unserem Schaffen und in unseren Überzeugungen bestärkt. Andererseits haben wir durch den Prozess von der Idee bis hin zum fertigen Film doch einiges gelehrt. Hier sind drei zentrale Punkte, die wir mitgenommen haben:

You need to have a plan to be able to improvise - Nur wer einen Plan hat, kann erfolgreich davon abweichen

Flexibilität ist das A und O im unserem Metier. Gerade wenn jede Minute kostbar und die monetären Ressourcen beschränkt sind, muss auf sich verändernde Umstände reagiert und unerwartete Probleme gelöst werden. Um so wichtiger ist ein gut ausgearbeitete Plan, der sicherstellt, dass sich die vielen Einzelteile nach all den Abweichungen und Anpassungen nahtlos zu einem Ganzen zusammenfügen.

Kleine Details können später zu grossen, auf den ersten Blick unlösbaren Problemen führen. Oft ist die erstbeste Lösung, die schon beim letzten mal funktioniert hat, nicht die beste. Um in diesem komplexen Prozess den Überblick nicht zu verlieren, braucht es: Eine starke Vision, viel Erfahrung und Wissen um das Handwerk und last but not least eine starke Zusammenarbeit aller Beteiligten. Das ZFF72 treibt mit seinen knallharten Vorgaben diese Herausforderung auf die Spitze und kitzelt in einem wunderbaren Rahmen genau diese Fähigkeit aus den Teilnehmern. Wir haben uns gerne der Herausforderung gestellt.

See your weakness as a advantage - Mache deine Schwächen zu deinen Stärken

"Geht nicht, können wir nicht, reicht nicht…" sind Sätze die gerade zu Beginn in der Konzept- oder Ideenphase sehr oft fallen. Eine realistische Einschätzung des Machbaren ist, neben unbändigem Enthusiasmus und sprudelndem Elan, auch eine essentielle Fähigkeit eines Filmemachers. So ist alle Kreativität und Ambition nur wenig wert, wenn am Ende des Budgets nur 40% des Filmes im Kasten sind. Aber wie ist damit umzugehen, wenn stetig scheinbar unüberwindbare Hürden auftauchen? Auch hier durch die harte Zeitlimite zu pragmatischem Realismus gezwungen, mussten wir von Anfang an unsere Perspektive wechseln. Was alles nicht geht ist ziemlich schnell klar, aber was geht dafür? Warum genau können wir etwas nicht umsetzten und gibt es Möglichkeiten diesen Grund zu umgehen? Eventuell muss man zwei, drei Schritte zurückgehen, um einen Knoten zu lösen, der zehn Probleme nach sich zieht. Not macht effektiv erfinderisch, oder in unserem Fall kreativ.

Embrace the Deadline - Nutze die Deadline

Drei Tag für ein Filmprojekt von Anfang bis Schluss ist nicht viel Zeit. Was sich aber auf den ersten Blick nach drehen am Limit und schlaflosen Nächten anhört, kann sich auch zu einem guten Lehrstück in Sachen Planung, Priorisierung und Teamwork entwickeln. Von Anfang an haben wir uns, entgegen dem ersten Impuls einfach loszurennen, bewusst dazu gezwungen einen grossen Teil der Zeit in Konzeption und Planung zu investieren. Erst als die Vision klar und der Weg dorthin deutlich umrissen war, haben wir uns fokussiert und konzentriert in die Produktion gewagt. Jeder wusste was er wann machen musste und wo wieviel Fokus und Zeit investiert werden konnte. So ergab sich ganz natürlich und durchgehend eine kreative Effizienz, wie wir sie in der kommerziellen Arbeit leider all zu oft vermissen. Natürlich plädieren wir stark dafür genügend Zeit für die einzelnen Arbeiten zu budgetieren und dem kreativen Prozess seinen Raum zu lassen… ein knackiger turnaround hat aber eben auch seine Vorteile.

VAND war eine äusserst spannende und erfüllende Erfahrung als Filmemacher und als Team. Kreativ und fachlich äusserst fordernd, stellte das Projekt uns auf eine harte Probe. Es war sehr schön zu sehen, dass wir auch unter Druck als Team gut funktionieren. Darüber hinaus hat uns das ZFF72 mit seiner künstlichen Limitation von Zeit, der wichtigsten Ressource überhaupt, darin bestärkt uns auch in Zukunft neuen Herausforderungen aktiv zu stellen. Denn nichts hält den Geist jünger und die Reflexe wacher, als eben eine gute Herausforderung.